Mein Alltag in der Forscherwelt

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Die Forscherwelt ist ein gemeinsames Projekt des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, der Fachhochschule Potsdam und des Jugendbildungszentrum Blossin. In der Forscherwelt Blossin forschen, entdecken, experimentieren die Kinder gemeinsam mit den Erwachsenen (Erzieher und Pädagogen). Im Forscherhaus finden die Kinder eine Küche, eine Werkstatt, ein Malort, eine Magnetestation, Lichtort, sie können auch mit Wasser experimentieren und dann kommt der Garten, in dem die Kinder mit einer Wasserpumpe und allen möglichen Utensilien spielen und experimentieren können. Die Forscherweltphilosophie ist klar: wenn die Kinder allein entdecken dürfen, wird die Entdeckung und der Entdeckungsprozess intensiver in ihren Köpfer bleiben, als wenn die Entdeckung von einem Erwachsenen angeleitet worden wäre. Und sogar wenn keine Entdeckung stattgefunden hat, werden sich die Kinder die Forscherzeit erinnern. Die Hauptidee ist, dass die Kinder als kleine Forscher gesehen werden. Deshalb heißt das Projekt „Forscherwelt“.
Vor 2 Jahren wurde in Blossin das „Forscherhaus“ gebaut und wurde für Kitas und Grundschulen geöffnet.
In diesem Jahr war ich der „Forscherweltsfreiwilliger“. Die Arbeit in der Forscherwelt war aber nicht über das Jahr gleichmäßig verteilt:
Ich habe nicht die Grunde verstanden warum, aber Kitas und Grundschule Kommen am liebsten im Frühling in die Forscherwelt. Deswegen war von Ende Februar bis Anfang Juli der Forscherkalender echt voll – manchmal sogar am Wochenende! Im Herbst und Winter war nicht so viel los.
Mein erster Eindruck als Italiener, als einziges Kind mit einer sehr präsenten Mutter, war „mein Gott, wo bin ich hingekommen!“ Bei uns klingt die Idee, dass die Kinder allein entdecken und forschen unlogisch, ja sogar gegen die Natur, und wahrscheinlich ist es in Bella Italia von Gesetz her verboten!
Zum Beispiel dürfen die Kinder in der Werkstatt der Forscherwelt (unter dem Blick eines Erwachsenen) Nägel, Hammer, Säge, Schrauben, Bohrmaschinen, Akkuschrauben u.s.w. benutzen.
Ich erinnere mich, das Erste, was ich in der Forscherwelt gesehen hatte, war ein Kind, dass sich eine ganz kleine Schnittwunde mit der Säge geholt hatte. Ich war total aufgeregt und rief sofort die Forscherweltkoordinatorin. Sie kam in Ruhe und erklärtet mir, dass eine kleine Wunde nicht so schlimm ist und ich keinen übermäßigen Stress haben sollte. Eigentlich hatte sie Recht: das Kind würde davon nicht sterben, es hatte noch nicht einmal geweint. Der Einzige, der in Panik war, war ich.
Jeder Forschertag beginnt mit den Fragen, die die Kinder fragen wollen. Fragen wie „Wieso haben Bäumen Blätter?“ „Warum schwimmt ein großes Stück Holz und ein Nagel nicht?“ Und die Idee ist, dass die Kinder während des Forschertages über ihre Fragen forschen sollen. Am meisten haben sie Fragen über Natur und Biologie, dann können sie selbst in dem Forscherhaus experimentieren. Manchmal haben sie fragen über Geschichte:
·        “Was ist eigentlich während erstes Weltkriegs passiert? Über den zweiten weiß ich schon was, es war wegen Hitler… aber der Erste?“
·        „der musst wegen Hitlers Vater sein, Kriege in Deutschland sind immer irgendwie wegen Hitler…“ sagte ein anderer.

Manchmal sind die Fragen tiefer gehend und „spirituelle“ als wir glauben können:
·        “Gibt es Gott?“ oder „Was passiert nach dem Tot?“
Manchmal sind sie so tief, dass sie Angst machen können:
·        „Was wird passieren, wenn die Sonne aufhört zu scheinen?“

Die Kleinen Forscher und ich haben auch über die WM in Brasilien gesprochen Das war nach dem ersten Spiel Deutschland gegen Portugal (4-0 für den zukünftigen Weltmeister):
·        „Also hast du das Spiel gesehen?“ habe ich ein Kind gefragt.
·        „Ja! Und hast du geguckt? Die Weißen haben gegen die Roten gewonnen!!“.

Nun muss ich unbedingt noch etwas über die Beziehungen zwischen den Kindern und mir erzählen. Also ich bin kein Deutschmuttersprachler. Wie unsere Leserinnen und Leser seit langer Zeit schon verstanden haben. Ich spreche nur ein approximatives Deutsch. Und das haben die Kinder sofort erkannt. Am meistens nehmen die Kinder nicht meine Grammatikfehler sondern sie nehmen sofort meinen Akzent wahr. Ihre Lieblingsfrage ist:
·        „Max, warum sprichst du so?“ oder wenn sie klarer sein wollten „Max, warum sprichst du so komisch?“
In meinen ersten Monaten, erklärte ich gerne, warum ich komisch sprach und sagte:
·        „Also, meine Muttersprache ist nicht deutsch, sondern italienisch. Deshalb spreche ich ein bisschen komisch, siehst du?“
Aber meine Versuche waren umsonst. „Ah…. meine Mutter ist deutsch!“
·        „nee, ich wollte sagen, dass ich aus Italien komme, deshalb spreche ich so…“
·        „ah… ich komme aus Fürstenwalde“
·        „ … „
Nur danach habe ich überlegt: Staatsgrenze und verschiedene Staatsangehörigkeiten sind etwas Unnatürliches und Unlogisches, dass ein Kind nicht verstehen kann.

Ich glaube, dass ich während diesen Jahres für viele Kinder ihre erster Ausländer war, den sie getroffen hatten. Wahrscheinlich hatten sie nie jemand, der nicht Deutschmuttersprachler ist, gehört. Deshalb sollte es nicht überraschen, wenn die Kinder meinen Deutsch-mit-Akzent nicht als echt deutsch erkennen konnten. Und sie sagten:
·        „Max, welche Sprache sprichst du gerade? Englisch?“. Und ein anderer Kind antwortet: „Nee, siehst du nicht, das ist kein Englisch, er spricht Russisch!“
Und dann kam die Frage, die ich nie hören wollte:
·        „Max, deine Sprache ist komisch, sprichst du auch Deutsch?“
Ein Mal hatte mich ein Mädchen gefragt:
·        „Wie alt bist du, Max? Aber dieses Mal antworte bitte auf Deutsch!“
·        „Ich bin 25.“
·        „Ah nee, siehst du, du hast wieder in deiner Sprache geantwortet. Ich hatte doch gesagt auf Deutsch.“
In diesem Moment habe ich kurz meine endlose Geduld verloren und antwortete:
·        „Liebe Alina, auch das ist Deutsch…“

Ein der lustigsten Momente war Folgender. Es war ein unglaublich sonniger und schöner Tag im November. Die Kinder wollten raus gehen, ich ging mit. Sie nahmen Seile und Rohre um eine Brücke zu bauen. Als die Brücke fertig war, hatten sie in ihren Händen noch eine Seil und sagten:
·        „Max! Spring über!“
Ich hatte keine Ahnung, was überspringen bedeuten soll, und ich versuchte, das Ende des Seils zu nehmen.
·        „Nee, nicht bringen! Überspringen!
Also ging ich an das andere Ende.
·        „Max, überspringen! Überspringen!“
·        „Aber was bedeutet überspringen?“
·        „Eh? Kennst du nicht überspringen?“
·        „Nee, weiß ich es nicht, was bedeutet es denn?“
·        „Aber… aber, wie ist das möglich?“
·        „Es tut mir leid, aber ich hatte dieses Wort noch nicht gehört…“
·        „Aber Max… warst du nicht in der Schule?!“
Es war eine schöne Zeit mit vielen tollen Momenten. Ich habe viel gelernt, besonders über die Kommunikation mit Kindern.

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